20. Juni 2012

Ist Macrostock intransparent?

© Westend61
In der Debatte um den Artikel Try Macrostock wurde mir immer wieder vorgehalten, Macrostockagenturen seien nicht transparent. Bei Microstock würde der Fotograf durch die Downloadstatistiken sehen, was sich gut verkauft und er hätte durch schnelle Verkäufe auch sehr schnell Kontrolle darüber, ob etwas gut oder schlecht läuft. Dazu dann doch ein paar Anmerkungen hier im Blog.
Ja, es stimmt, bei uns müssen Fotografen warten, bis sie Ergebnisse sehen. Wir verheimlichen das niemanden. Es dauert manchmal bis zu einem Jahr, bis der Fotograf die erste Abrechnung sieht. Warum? Nachdem er die Bilder aufgeladen hat, vergehen ein paar Wochen, bis die Bilder verschlagwortet und an die Partner exportiert sind. Unsere Partner müssen nach dem Export die Bilder in ihre Datenbanken integrieren. Das geht bei den einen schneller, bei den anderen langsamer. Danach müssen deren Käufer erst einmal die Bilder finden. Bis es zur Verwendung kommt, vergeht nochmals Zeit. Viele unserer Partner erlauben den Kauf auf Rechnung. Erst wenn diese bezahlt ist, bekommen wir die Abrechnung und gewöhnlich landet einen Monat später das Geld auf unserem Konto und damit auch auf dem Konto des Fotografen. Nochmals: Jeder, der bei uns einen Vertrag abschließt, weiß, er muss etwas Geduld haben. Allerdings ist es tatsächlich ein Nachteil, ein Jahr warten zu müssen. Deshalb war uns immer daran gelegen, den Export zu beschleunigen. Unsere zuständige Mitarbeiterin hat hier zusammen mit den Programmierern sehr gute Arbeit geleistet. Die Exporte finden alle sechs Wochen statt. Inzwischen haben wir bei manchen Bildserien, die gut ankommen, schon nach drei Monaten die ersten Verkäufe auf Abrechnungen. Seit kurzem hat jeder unserer Fotografen ein Statistiktool. Mit diesem kann er sehen, welche Bilder sich wie oft zu welchen Preisen verkaufen. Im Moment sieht er aber nur die Verkäufe, für die wir das Geld bereits auf dem Konto haben, nicht die Bilder mit offenen Rechnungen. Wir werden das in den nächsten Tagen ändern. Das System wird so also noch transparenter und die Geduld auf eine weniger harte Probe gestellt werden. Ich denke, nach drei bis vier Monaten zu zu sehen, ob Bilder vom Markt angenommen werden oder nicht, hält jeder aus.
An dieser Stelle noch ein Wort zur Verkaufsentwicklung von Bildserien. In Microstock haben die Bilder nach einem halben Jahr ihren Höhepunkt, im zweiten halben Jahr flachen die Verkäufe schon ab und und die Fotos, die keine oder wenige Verkäufe erzielen, verschwinden langsam im Nirwana der jeweiligen Agentur. Bei uns erreichen die Bilder nach zwei Jahren die besten Umsätze und flachen nach drei Jahren ab. Die Lebensdauer von Bildern scheint etwas länger zu sein. Und da wir höhere Preise erzielen, sind einzelne Verkäufe nach vier oder fünf Jahren auch noch eine schöne Sache. Bei Microstock eher nicht so interessant, es geht ja rein um die Masse, um mit einem Bild zu einem guten Umsatz zu kommen.
Zum nächsten Argument. Wäre es besser, öffentlich zu zeigen, wie viele Verkäufe ein Bild hat? Ich denke nicht. Denn wozu führt das? Alle schauen bei uns nach, was sich am besten verkauft, fotografieren ähnliche Bilder, bieten sie unter Umständen billig an und entwerten so die Ideen unserer Fotografen. Ich habe über leidvolle Erfahrungen geschrieben, zum Beispiel im Artikel Oh wie war das schön. Wir wollen Ideen unserer Fotografen, so weit das heutzutage noch möglich ist, schützen. Würden wir die Downloadzahlen veröffentlichen, käme das einer Aufforderung zum Kopieren gleich und das muss nicht sein. Wer daran interessiert ist, was für Themen sich gut verkaufen, kann ja gerne bei Fotolia oder iStockphoto recherchieren. Meinen Fotografen rate ich das sogar. Denn es ist gut, einen Überblick darüber zu haben, was die anderen machen, welche Bilder dem Kunden billig angeboten werden und zu recherchieren, ob die eigene Idee schon verwirklicht ist. Für Macrostock sollte man sich unterscheiden, Bilder anders oder besser machen und neue Ideen entwickeln. Zumindest gleich gut sollten die Bilder sein, denn mancher Kunde will nicht billig kaufen und wählt schon einmal die teurere Alternative. Aber auch hier gilt: Bitte nicht einfach die Ideen von guten Microstockbildern übernehmen. Was Du nicht willst, das man Dir tut,...
Zum Schluß bleibt mir zu sagen, ich weiß nicht, wie andere Macrostockagenturen das handhaben, aber Westend61 bietet aus meiner Sicht die Transparenz, die für Fotografen nötig ist und wird, was die Downloadzahlen betrifft, aus guten Gründen kein Microstockklon werden.

G. Staufer

Kommentare:

  1. He , was mich interessieren würde wäre wo letzendlich die Bilder bei welchen Partner landen ? Zudem vermisse ich bei anderen macroagenturen Belegexemplare bzw. downloadreports auch wenn diese nicht benutzt werden , wäre trotzdem supi zu wissen was den Kunden interssiert oder nicht ... Grüsse Reka

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  2. Also, die Bilder landen bei allen unseren Partnern. Die Liste wäre hier zu lang, aber es sind ca. 150 RF und 50-60 RM. Manche Partner wie Getty, Corbis oder Masterfile editieren die Bilder dann nochmals, sie nehmen nur was sie wollen, in der Regel um die 50%. So, da wir fast alle Bilder über unsere Partner verkaufen, haben so gut wir keine Belegexemplare, denn wir bekommen keine von unseren Partnern. Wir recherchieren selbst von Zeit zu Zeit im Internet oder entdecken gute Veröffentlichungen beim Einkaufen oder einem Spaziergang durch die Stadt. Die Google Bildersuche ist da sehr hilfreich.

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